was ist ein bullet journal

Was ist ein Bullet Journal?

Seit ein paar Jahren zieht es viele Menschen zurück zu Stift und Papier. So auch mich. Mit einem individuellen Terminkalender, auch genannt Bullet Journal, soll die eigene Produktivität auf ein neues Level gehoben werden. Doch wie genau funktioniert das?

was ist ein bullet journal

Digital vs. analog

Es fiel mir immer schwer mich für die unzähligen Apps zur Produktivitätssteigerung und Optimierung der eigenen Lebensgewohnheiten zu begeistern. Das Versprechen, das Leben vom ersten Tag der Nutzung umzukrempeln, schlechte Gewohnheiten in den Griff zu bekommen, Struktur und Ordnung in den Alltag einfließen zu lassen und das alles selbstverständlich ganz einfach und unkompliziert, klingt auf den ersten Blick zu schön um wahr zu sein.

In Wirklichkeit hatte ich das Gefühl, dass sich diese Apps nicht nach meinen Bedürfnissen richteten, sondern mir eine Struktur vorgaben, die ich zu befolgen hatte. Wie eine unbewusste Verpflichtung, die mahnte jeden Tag mindestens 30 Minuten Sport zu machen, morgens stets mit einem Lächeln aufzustehen, nichts Süßes zu essen oder TO DOs direkt zu erledigen und vieles mehr. Deshalb nahm meine Motivation die Apps zu benutzen schnell wieder ab, bis ich sie schließlich frustriert von meinem Smartphone verbannte.

Neben solchen Apps führte ich normale Listen und Notizen auf unzähligen Zetteln auf meinem Schreibtisch und den Smartphone Kalender für die wichtigsten privaten Termine. Das gleiche nutzte ich natürlich auch bei meiner Arbeit im Rathaus. Es war die reinste Zettelwirtschaft.

So switchte ich jahrelang zwischen meinen digitalen und analogen Notizen und Applikationen im privaten und beruflichen Bereich hin und her. Weil das auf Dauer ziemlich nervt und ich dabei irgendwann den Überblick verlor, kam mir die Idee ein Bullet Journal zu beginnen. 

Bullet was? 

Vor ein paar Jahren entwickelte der New Yorker Designer Ryder Carroll ein Planungssystem für einen flexiblen und individuellen Terminplaner. Mithilfe des einfachen Systems kommt endlich Ordnung und Struktur in das Chaos und Durcheinander von Zetteln und Apps.

Der Name Bullet Journal stammt vom System der Bullets, also der Stichpunkte. Und darum dreht sich auch alles: Stichpunkte werden für Aufgaben verwendet, Spiegelstriche für Notizen und Kreise für Termine. Hat man eine Aufgabe erledigt, zeichnet man ein „x“ auf den Stichpunkt, nicht erledigte Aufgaben werden mit „>“ auf den nächsten Tag verschoben und dort erneut notiert. Abgesehen davon, ist man bei der Gestaltung des Journals vollkommen frei und flexibel. Und genau das reizte mich daran. Nie war ich mit den Terminplanern, die man im Geschäft kaufen kann, zufrieden. Zu wenig Platz, zu viele überflüssige Seiten, komisches Papier, zu wenig flexibel.

Also legte ich mir ein Notizbuch mit punktierten Linien, im Fachjargon „dotted“ zu und passte es an meine Bedürfnisse an. Ich nahm dafür ein Leuchtturm 1917, man kann aber auch ein stinknormales Notizbuch aus dem Ein-Euro-Shop nehmen. Hauptsache die Seiten sind punktiert, das hilft sehr beim Linien ziehen ohne Lineal. 

Über Google fand ich schnell Anleitungen für den Aufbau eines Bullet Journals. Aber es ist kein Muss, genau dieses System zu übernehmen. Für mein Bullet Journal nahm ich nur diese s. g. „Spreads“, also Vorlagen für Seiten, die für mich sinnvoll erschienen. Im Laufe der Zeit ändert sich das meistens, denn ein Bullet Journal entwickelt sich mit Dir.

Index

Der Index ist eines der wichtigsten Elemente, damit Du Deine Übersichten, Listen und Einträge später schnell wieder findest. Er funktioniert wie das Inhaltsverzeichnis eines Buches – nur dass du ihn frei gestalten kannst und im Laufe der Zeit erst komplett füllst.

Index
Einige Notizhefte haben standardmäßig schon ein Inhaltsverzeichnis, welches du nutzen kannst. Das muss Dich aber nicht daran hindern, trotzdem einen eigenen Index anzulegen, der Deinen Vorstellungen entspricht.
Tipp!

Key

Der Key („Schlüssel“) ist eine Übersichtsseite über Deine eingesetzten Symbole. Praktisch eine Art Legende, bei der erklärt wird, welches Symbol was bedeutet. So kannst Du immer wieder einen Blick auf Deinen Key werfen und weißt genau, wie Deine Symbole aussehen (sollen) und für was sie eingesetzt werden.

Ich habe den vorgegebenen Key von Ryder Carroll für mich ein wenig abgeändert

Es ist Dir überlassen, dieses System zukünftig an Deine Anforderungen anzupassen!

Future Log (Jahresübersicht)

Los gehts mit einer Jahresübersicht. Wir fangen quasi beim „Groben“ an und arbeiten uns ins „Feine“ vor. In dieser Übersicht ist Platz für große Dinge, die Du bereits für das Jahr weißt. Du musst nicht bei Januar starten, sondern kannst natürlich auch später einsteigen. Ich gestalte meinen Future Log immer gerne über zwei Doppelseiten in jeweils sechs Spalten. Hier trage ich Urlaube, Fortbildungen und Geburtstage ein.

Das Jahr im Überblick

Tipp zur Seitenaufteilung: Eine Seite ist bei mir 32 Felder breit, sodass sich bei mir eine Aufteilung von 10 > 9 > 11 Feldern anbietet. Damit passen die kleinen Minikalender auch in die Spalten. 

Manche schreiben in ihren Future Log auch schon Aufgaben und TO DOs. Das mache ich nicht, da ich später nur selten in den Future Log schaue. Bei mir liegt der Fokus eher auf den Monthly und Weekly Logs.

Monthly Log (Monatsübersicht)

Kommen wir nun zum Monthly Log oder auch zur Monatsübersicht. Hier gibt es wieder viele Möglichkeiten der Gestaltung. Manche schreiben alle Tage des Monats in einer Liste hinunter. Für mich hat sich eine Kalender-Darstellung bewährt, die allerdings etwas zeitaufwendiger ist. Auf einer Doppelseite finden bei mir alle Tage eines Monats Platz. Wichtige Termine aus der Jahresübersicht nehme ich hier wieder auf. Dazu kommen manchmal auch spontane Termine, die sich erst im Monatsverlauf ergeben.

Der Monat Mai im Überblick

Viele BuJo-Nutzer platzieren hier auch ihre Habit-Tracker, eine Tabelle mit dem Wetter oder andere Übersichten. Mir ist das zu viel, da ich auch den monatlichen Übersicht im Nachhinein nicht mehr viel Aufmerksamkeit zu kommen lasse. Das ist aber das schöne am Bullet Journal: Jeder macht sein Ding und das ist in Ordnung!

Habit-Tracker

Hier kommt ein kurzer Einschub, bevor wir zu meinem Lieblingslog, dem Weekly kommen. Einige fleißige Journal-Schreiber fügen nach dem Monthly jeden Monat Seiten für s. g. „Habit-Tracker“ ein. Sie helfen dir dabei, Gewohnheiten, Gefühle und mehr aufzuzeichnen und sind eine gute Möglichkeit das Bullet Journal zu individualisieren. Die Darstellung variiert deutlich. Hier liste ich mal ein paar Beispiele für Habit-Tracker auf: 

  • Mood-Tracker: Was macht Deine Laune?
  • Fitness-Tracker: Sport-Routinen und Erfolge im Überblick
  • Sleep-Tracker: Für eine gute Nacht
  • Water Tracker: Für die tägliche Wassermenge. Prost!

Im Laufe der Zeit fallen Dir bestimmt noch weitere Dinge ein, die sich lohnen getrackt zu werden. Ich denke da z. B. an Internetkonsum, Social Media Nutzung, Dankbarkeit, Kaffeekonsum, Zeit mit der Familie oder auch einfach wie oft Du Zahnseide benutzt. Alle Bereich des Lebens bieten genügend Möglichkeiten des Trackings.

Aber Vorsicht: Zu viel und jedes Detail zu tracken, kann Dich stressen und genau das möchte man ja eigentlich nicht. Das Bullet Journal soll helfen zu ordnen und Dich zu entspannen, nicht Dir weitere Verpflichtungen aufzuerlegen.

Ich persönlich tracke eher wenig und das bisher auch nur in meinem Weekly Log. 

Weekly Log (Wochenübersicht)

Beim Weekly gehts endlich ans Eingemachte, denn hier notiere ich die Aufgaben und Termine für jeden Tag der Woche. Notizen, Erinnerungen, TO Dos, alles kann rein! Dabei ist die Planung der Woche sehr flexibel. Ich habe festgestellt, dass sie im Voraus zu planen, nicht sehr sinnvoll ist. Manchmal braucht man in einer Woche mehr Platz oder es ist weniger viel los, sodass den Trackern oder Notizen mehr Raum gegeben werden kann. Meist setze ich mich zum Wochenende hin und lege in Ruhe mein Weekly an. Auch hier arbeite ich, wie beim Future Log, gerne mit Spalten, je nach Belieben mal horizontal oder vertikal.

Ein wichtiger Bestandteil ist jedes Mal Platz für Notizen und meine Tracker. Das ursprüngliche System von Ryder Carroll sieht eigentlich gar keine Wochenübersicht vor, doch ich finde sie mehr als praktisch.

In meinem Weekly habe ich Platz für Aufgaben, Termine und meine Tracker

Daily Log (Tagesübersicht) 

Nach dem System von Ryder Carroll folgt als letztes das Daily Log, in dem Du jeden einzelnen Tag planen kannst. Ob das nun Vorhaben beruflicher oder privater Natur sind, spielt keine Rolle. Es ist einem selbst überlassen, was man notieren möchte. Ich nutze tatsächlich kein Daily Log, da mir mein Weekly dafür ausreicht. Doch ich denke gerade bei Selbstständigen kann es sinnvoll sein, den Tag u. a. auch nach Stunden zu planen. 

Collections

Ich liebe die Collections! Hier ist alles möglich, von Tagebucheinträgen,  Reiselisten, Putzplänen und Serienübersichten über persönliche Momentdarstellungen. Dies können z. B. Seiten darüber sein, was Dich alles zufrieden und glücklich macht, wofür du dankbar bist oder auch welche Stärken und Schwächen du hast.

Hier ein Beispiel für Collections: Eine Seite mit Büchern, die ich lesen möchte

Über Pinterest und YouTube erhält man unfassbar viel Inspiration und auch Tipps und Tricks, wie man solche Seiten anlegen könnte. Ich werde dazu wohl noch einiges schreiben! Wo genau sie im Bullet Journal auftauchen, ist relativ nebensächlich. Es ist eine zeitliche Sache, wie aufwendig man sein Bullet Journal füllt. Dennoch können die von Dir angelegten Collections viel über Dein Jahr verraten. Angefangen z.B. dabei, welche Bücher Du gelesen oder wie Du Dich persönlich über das Jahr entwickelt hast. Viele Dinge hätte man wahrscheinlich im Nachhinein vergessen oder? Es tut immer gut, wenn Du Dir Deine Erfolge vor Augen führst und stolz auf Dich bist.

Die Angst vor der leeren Seite und Fehlern

Gerade wenn ein Setup oder ein Spread besonders schön aussehen soll, hat man häufig Angst vor Fehlern. Falsch gezogene Linien, Rechtschreibfehler oder misslungene Symbole. Keine Sorge, das ist absolut nicht schlimm. Fehler passieren. Einfach durchstreichen oder überkleben, das gehört dazu und macht Dein Bullet Journal umso persönlicher. 

Tipp: Zum Ausprobieren von Stiften, Zeichnungen oder neuen Systemen nutze ich einfach die letzten Seiten meines Journals. Oder man nimmt ein zweites Heft für die ersten Versuche.

Wenn Du Dich schon etwas mit dem Journaling beschäftigt hast, sind Dir bestimmt schon die wunderschönen Übersichten, Tracker, Motive und Listen Anderer aufgefallen. Lass Dich davon nicht entmutigen oder verunsichern. Das Prinzip „Bullet Journal“ dreht sich in erster Linie um die reine Organisation Deines Alltags. Klein anzufangen und sich langsam bei der Gestaltung zu steigern macht Sinn und ist vollkommen in Ordnung.

Ein Bullet Journal muss nicht zwangsläufig wunderschön und kreativ gestaltet sein. Ich selbst habe am Anfang viel Ausprobiert und inzwischen hat auch meine kreative Entfaltung im Bullet Journal Einzug gehalten. Thematisch passende Motive und Symbole runden das Aussehen des Journals ab und machen es endgültig zu einem persönlichen Begleiter im Alltag. Nichts spricht allerdings dagegen, manche Seiten eher schlicht und manche wiederum aufwendig zu gestalten. Schlicht kann auch schön sein, oder? 

Ein Schub an Achtsamkeit 

Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass mir das System und das Schreiben auf Papier unheimlich nützt. Sich um mein Bullet Journal oder um neue Spreads zu kümmern und etwas Neues aufzuprobieren macht richtig Spaß. Es hat für mich sogar etwas meditierendes. Ich experimentiere im Moment viel mit Washi Tape und Handletterings, da meine Zeichenkünste ein wenig eingerostet sind. Nur noch hin und wieder nutze ich den Kalender in meinem Smartphone, z.B wenn es schnell gehen muss. Die Termine trage ich dann in Ruhe zu Hause nach.

Handlettering als Gestaltungselement

So viele Möglichkeiten für ein Wort

Überschriften, Listeneinträge, Notizen – alles dreht sich beim Bullet Journal um Deine Handschrift. Häufig sind die Muskeln in der Hand gar nicht gewohnt, so viel zu schreiben und z. B. gerade Striche zu ziehen. Daher habe ich mich mehr mit der Kreativtechnik „Handlettering“ beschäftigt. Es bezeichnet im Grunde die schöne Ausgestaltung Deiner Schrift.

Regelmäßiges Üben führte bei mir dazu, dass meine Striche und Schrift insgesamt wesentlich schöner geworden ist. Natürlich reicht für den Anfang, auch Deine „normale“ Handschrift aus. Es gilt: Hauptsache Du fängst an. Dein Bullet Journal wird mit Dir wachsen. 

Dein Kalender. Dein Notizbuch. Dein Coach. 

Ich hoffe ich konnte Dir einen Überblick über das Bullet Journal System geben. Jetzt ist es an der Zeit, loszulegen. Ich wünsche Dir ganz viel Spaß und Erfolg dabei!

Hier noch ein paar inspirierende und hilfreiche Blogs, die auch mir am Anfang viel geholfen haben:

Wenn Dir meine kleine Anleitung geholfen hat oder Du noch weitere Tipps hast, schreib mir gerne einen Kommentar. Ich freue mich über jede Rückmeldung. 

2 Gedanken zu „Was ist ein Bullet Journal?

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